Schlagwort: Cuxhaven

Elftes Kapitel: Cuxhaven

An der Elbmündung, im Ort Cuxhaven im Amt Ritzebüttel, genauer gesagt in der späteren Schultheißenschaft Ritzebüttel und Groden (siehe die Darstellung „Das Hamburger Gebiet und die Umgebung Hamburgs Mitte des 19. Jahrhunderts“), das im Schloß Ritzebüttel von dem Amtmann Senator Dr. E. Sthamer verwaltet wurde, meldeten sich im März 1848 die Bürger zu Wort und schlugen eine Reihe von Veränderungen vor. Dr. E. Sthamer kam diesen zum Teil nach, insbesondere erklärte er am 29. März die Aufhebung der Frondienste und den Verzicht auf den Zehnten. Ihm lag daran Unruhe von seinem Amt abzuwenden. Vielmehr setzte er auf maßvolle Regierung und Verwaltung im väterlich-freundlichen Umgang mit seinen Mitbürgern.

Ratsherren im Jahre 1860, aus einem Gemälde von Chr. E. Magnussen, neunter von links ist Senator Dr. E. Sthamer

Das Schloß Ritzebüttel 1568, Ausschnitt aus der Elbkarte von Melchior Lorichs

Die Bürger des Amtes versammelten sich am 5. April und bildeten eine Sicherheitswache (wie in St. Pauli und Bergedorf). Bald wurde diese „Verein“ genannt, wenig später „Bürgerverein“ und schließlich „Cuxhavener Bürgerverein“. Erster Präses war 1848 J. Dultz, ihm folgte 1949 J. H. E. Thomälen. Die Vereinssitzungen fanden zunächst jeden Mittwoch statt, dann vierzehntägig und schließlich alle vier Wochen. In den ersten Sitzungen verständigte man sich über die Wahlen zum Deutschen Volksparlament in Frankfurt und rief zur Sammlung für die Deutsche Kriegsflotte auf. In einer Versammlung kam man auf die Idee, anstatt die gesammelten Gelder nach Hamburg abzuführen, lieber ein eigenes Kriegsfahrzeug bauen zu lassen, wie es auch in St. Pauli der Fall war. Schließlich vereinigte man die Sammlungen allerdings doch mit den hamburgischen.

Ansicht des Leucht Thurms zu Cuxhaven so wie des Amts Ritzebüttel, Kupferstich von Johann Marcus David um 1805

Cuxhaven um 1860, Lithographie von Charles Fuchs

Der Cuxhavener Bürgerverein feierte die Eröffnung des Frankfurter Parlaments und diskutierte die Aufteilung des Amtes in Schultheißenschaften und die Vorteile der dortigen Häfen im beabsichtigten allgemeinen deutschen Zollsystem. Dann nahten die Wahlen zur Konstituante und der Bürgerverein stellte Dr. Friedrich Theodor Müller als Kandidaten auf, der später auch in die Bürgerschaft gewählt und schließlich Senator wurde. Weiter beteiligte man sich an der Gründung einer Krankenkasse für Arbeiter, diskutierte die Verteidigung des Amtes gegen kriegerische Einfälle und die effektive Straßenbeleuchtung.

Cuxhaven von Norden um 1845-50, gezeichnet von Johann Heinrich Sander, gestochen und gedruckt von Ernst Friedrich Grünewald und William John Cooke

Nach nur reichlich einem Jahr waren die Aktivitäten zu Ende. Die obrigkeitliche Überwachung und Kontrolle führte im Oktober 1849 zur Einstellung der Sitzungen. Dies war auch das Ende des ersten Cuxhavener Bürgervereins.

Die Gemeinden Ritzebüttel und Cuxhaven wurden 1874 zur “Landgemeinde Cuxhaven”. 1907 erhielt die Gemeinde das Stadtrecht. 1937 wurde Cuxhaven Teil Preußens. Die Verwaltung des Hafens blieb für Hamburg.

 

Autor: Michael Weidmann